Visionen von der Zukunftsstadt Heilbronn

Mit dem Engagement der Dieter-Schwarz-Stiftung entwickelt sich Heilbronn zur Wissensstadt ersten Ranges. Nun gilt es, auch die Innenstadt schnell weiterzuentwickeln.

Von Thomas Zimmermann, Foto: Mario Berger

Wissensstadt, Hochschulstadt, Modellstadt für Forscher und Gründer, Einkaufsmetropole, Gastronomiemeile, Erholungsort – Heilbronn kann vieles sein. Doch was will die Stadt am Neckar, der der Unternehmer Dieter Schwarz mit Bildungscampus, Experimenta und KI-Innovationspark immer stärker seinen Stempel aufdrückt, künftig als Ganzes sein? Diese Frage stellt sich auch angesichts zahlreicher Leerstände in der Innenstadt und an der Allee, angesichts der Sorgen von Händlern und Gastronomiebetrieben im Zentrum und auch mit Blick auf das nahezu leer stehende Wollhauszentrum. Immerhin steht das markante Gebäude an herausragender Stelle der Stadt nun nach jahrelangem Stillstand endlich vor seinem Neustart.

Zuschlag erhalten

Schon seit Jahren arbeitet das Wohnungsbauunternehmen Neufeld beharrlich daran, das Wollhaus in seinen Besitz zu bringen, um aus der Immobilie am südlichen Eingang der Stadt eine “zukunftsfähige Lösung” zu entwickeln. Das teilte das Unternehmen aus Oedheim mit, nachdem es am vergangenen Dienstag den Zuschlag für den größten Teil der Fläche erhalten hat. Der Teil, auf dem bis 2015 eine Kaufhof-Filiale untergebracht war, umfasst rund 60 Prozent der Gesamtfläche und wurde für fünf Millionen zwangsversteigert. Neufeld gehört bereits seit 2020 die sogenannte Wollhauspassage, die das Unternehmen ebenfalls per Zwangsversteigerung für drei Millionen Euro erwarb. Damit dürften nach Expertenmeinung rund 90 Prozent der Flächen im Besitz des Wohnbauunternehmens sein. Einige weitere kleinere Flächen sind noch in Streubesitz. Genaue Angaben gibt es nicht, allerdings spricht Neufeld davon, dass es noch “einige Herausforderungen zu klären gilt, damit eine zukunftsfähige Lösung umgesetzt werden kann. Dem gehen wir nun als Team mit noch mehr Elan nach, um nachhaltig das Herz von Heilbronn lebenswerter zu machen”, betonte Arthur Neufeld, unmittelbar nachdem das Unternehmen den Zuschlag erhalten hatte. Über die konkreten Pläne, was das Unternehmen mit dem im Stil des Brutalismus entstanden Betonbau vorhat, macht Neufeld noch keine Angaben.

Neue Nutzungsmöglichkeiten

Harry Mergel spricht nach der Versteigerung von “einer guten Lösung” für das Wollhauszentrum. Wie eine neue Nutzung konkret aussehen könnte, will er nicht verraten. “Das wird sich in den nächsten Monaten zeigen”, sagt der Oberbürgermeister.

Für die meisten Stadträte ist klar, dass nur ein Mix aus Handel, Freizeit- und Dienstleistungsangeboten, Büroräumen sowie Wohnungen erfolgversprechend ist. “Es wird sicher auf eine Umnutzung mit Handel, Dienstleistungen und einer attraktiven Wohnlage hinauslaufen”, schätzt der SPD-Fraktionsvorsitzende Rainer Hinderer stellvertretend für viele Ratskollegen. “Wir erhoffen eine Initialzündung für unsere Innenstadt und eine wesentliche Erhöhung der Frequenz in der Fleinerstraße”, ergänzt Nico Weinmann. Von der Verwaltung erwartet der FDP-Fraktionsvorsitzende ein “mehr an Sicherheit und Sauberkeit”. Ein Problem, das die Stadt schon seit Jahren verfolgt. Der Vorsitzende der Stadtinitiative, Thomas Aurich, träumt von “Handel im Erdgeschoss, Gastronomie mit Terrasse und der Vision einer Markthalle sowie einem dritten Rathaus”. Für die Allee wünscht sich Thomas Aurich “mehr Wirte”.

Strukturwandel und unglaubliche Entwicklung

In Heilbronn trifft der Strukturwandel in der Innenstadt auf eine unglaubliche Entwicklung hin zur Wissensstadt, die mit einem Namen verbunden ist – Dieter Schwarz. Der Gründer von Lidl und Kaufland treibt mit seiner Stiftung die Modellstadt in rasantem Tempo unermüdlich voran. Experten gehen davon aus, dass der 83-Jährige in den vergangenen zehn Jahren rund zwei Milliarden Euro in seine Heimatstadt gesteckt hat. In einen Vorzeige-Bildunsgcampus, das attraktivste Science-Center Deutschlands, Forschungseinrichtungen, Gründerzentren, Schulen, Kindergärten und jüngst in einen KI-Park, der gerade in der Stadt entsteht.

Glücksfall für Heilbronn

Doch wie passt das neue Heilbronn mit der alten Käthchenstadt zusammen? “Für uns ist dieses Engagement ein Glücksfall”, betont Harry Mergel, der auch persönlich einen guten Draht zu Dieter Schwarz hat. “Ohne die Dieter-Schwarz-Stiftung wäre Heilbronn nicht das, was es ist – eine Stadt mit der Kraft der zwei Herzen”, unterstreicht der Oberbürgermeister und verweist auf Natur, Weinbau und die Industriebetriebe. Interessenskonflikte oder eine zu starke Abhängigkeit vom Ehrenbürger der Stadt sieht der OB nicht. “All diese Entwicklungen tragen dazu bei, auch in Zukunft eine wirtschaftsstarke Region zu bleiben und die Transformation von unseren klassisch starken Branchen zu guten Arbeitsplätzen von morgen zu sichern”, ist Harry Mergel überzeugt.

 

Mit freundlicher Genehmigung der Stimme Mediengruppe & der Heilronner Stimme