Professorin vom Studiengang Food Management: “Essen ist keine Sünde, sondern ein Genuss”

Ja, es darf auch etwas Süßes sein: Professorin Katja Lotz von der DHBW Heilbronn leitet den Studiengang BWL Food Management. Im Interview erklärt sie, was eine gesunde Mittagspause ausmacht.

Interview: Lisa Könnecke; Foto: DHBW Heilronn

Frau Lotz, wie sieht eine gesunde Mittagspause aus?

Katja Lotz: Erstmal sollte man eine gesunde Mittagspause von der Ernährung entkoppeln. In der Mittagspause geht es nicht nur um Energiezufuhr. Sie ist ein wichtiger Aspekt in der gesamten Regeneration. Man sollte sich vor allem Zeit nehmen, mindestens 30 Minuten. Ansonsten sind Kohlenhydrate empfehlenswert, die langsam in die Blutbahn gehen. Zum Beispiel Vollkornreis, Vollkornnudeln oder Kartoffeln. Die enthalten auch noch hochwertiges Eiweiß und viele Vitamine. Das in Begleitung mit viel Gemüse wäre perfekt.

Was, wenn es schnell gehen muss und man keine Zeit hat, am Vorabend sein Vesper vorzubereiten?

Lotz: Es gibt im Lebensmittelhandel immer mehr Angebote in dieser Hinsicht. Beispielsweise To-go-Theken, an denen man sich einen Salat mitnehmen kann. Dazu noch ein Vollkornbrötchen mit Käse, und man hat eine wunderbare Mahlzeit.

Darf es denn trotzdem auch mal etwas Süßes sein?

Lotz: Natürlich. Man muss sich von dem Gedanken verabschieden, dass gewisse Lebensmittel eine Sünde sind. Essen ist keine Sünde, sondern ein Genuss. Auch ein Stück Schokolade ist kein Problem, solange man es genießt. Ich empfehle, sich nach einem gesunden Mittagessen durchaus ein kleines “Genießerle” – die Betonung liegt auf klein – zu gönnen. Vielleicht zu einer Tasse Kaffee oder Tee.

Und auf welche Snacks könnte man am Nachmittag zurückgreifen?

Lotz: Joghurt mit Früchten ist super. Jetzt kommt auch der Frühling, dann gibt es wieder Erdbeeren und im Frühsommer Heidelbeeren, Himbeeren und Co. Im Winter kann man sich beispielsweise einen Apfel in den Joghurt schnippeln. Aber auch eine Banane erfüllt ihren Zweck. Sie ist süß und sättigend. Ein Stück Kuchen mit Obstbelag ist ebenfalls ein guter Snack. Kuchen verbindet man mit Entspannung und mit dem Sonntagsgedanken. Ich sage immer, die Dosis macht das Gift.

wissensstadt.hn: Man hört und liest immer, dass die 42 eine Coding-Schule ist, und das seid ihr zweifelsohne. Aber was programmiert man in euren Challenges konkret? Eher Onlineshops, Games, KI-basierte Algorithmen oder Apps?

Thomas Bornheim: Die Aufgaben sind praxisorientiert, das heißt, sie werden immer so gestellt, dass es große Aufgaben sind, die gelöst werden können. Es sind aber generische Aufgaben und sind so konzipiert, dass man anhand der Aufgaben stufenweise das Programmieren lernt. Die Aufgaben haben alle einen didaktischen Fokus und werden Schritt für Schritt durchgegangen. Als Beispiel: Zunächst einmal wird gelernt, wie man mit Speicher umgeht, danach lernt man, wie man Subroutinen schreibt. Weiter lernt man, wie man Daten richtig einsetzt, Applikationen baut und so weiter. Ziel ist, dass 42-Absolventen nach diesem Grundstudium bei uns, egal in welchen Bereich sie gehen, Grundkenntnisse haben. Sie sollen nicht nur theoretisches Wissen haben, sondern es auch schon mal gemacht haben. Und ob dann ein potenzieller Arbeitgeber sagt, ›bei uns programmiert man in Java oder in Python‹ ist dann relativ egal. Das ist auch das paradoxe Denken in unserem Ausbildungssystem, dass es nicht darum geht, was man weiß, sondern dass man schnell lernen kann. 

wissensstadt.hn: Wie ist das Feedback der Studierenden?

Thomas Bornheim: Wir wir haben ein durchweg positives Feedback von unseren Studierenden unserem pädagogischen Modell gegenüber. Es beinhaltet, dass die Leute sehr selbstorganisiert sind, dass sie sich in der Gruppe Dinge beibringen. Es ist ganz wichtig, dass sie in diesem Prozess Hilfe voneinander bekommen. Auch das ist eingebracht in unser System. Wir können im Vergleich mit anderen 42-Standorten sagen, dass es bei uns gut vorangeht. Es ist aber immer so, dass es Leute gibt, für die funktioniert es perfekt – wir haben einige Studierende, die dieses Grundstudium innerhalb von nur acht Monaten abschließen, das sind so ziemlich die schnellsten Studierenden, die man haben kann, auch weltweit gesehen, – aber wir haben auch Studierende, wo es ein bisschen länger dauert und auch denen bieten wir über das 42-Netzwerk Hilfe und Helfer*innen.

wissensstadt.hn: Wie fühlt sich das täglich an, rein zu laufen in die 42? Wie ist der Spirit unter den Studierenden? Du hast ja angedeutet, dass sie zusammenarbeiten müssen, um voranzukommen in der Schule. Und dazu braucht es Teamgeist. Hat er sich entwickelt?

Thomas Bornheim: Es ist ein bisschen so, wie im Fußballstadion der Heimatstadt anzukommen. Unseren Studierenden geht es nicht nur um den eigenen Fortschritt, das Lernen oder einen neuen Skill zu haben und viel Geld zu verdienen. Sie haben auch ein Interesse, etwas für die Gemeinschaft zu tun. Und das ist ein so besonderes Gefühl! Was sich daraus ergibt, ist mehr als eine Zweckgemeinschaft. Wie sie sich einbringen und auch nicht bei allem einig sind, wie gestritten wird und versucht wird, gemeinsam weiterzukommen und eine Lösung zu finden, ist schön zu erleben. Und dann gibt es noch diese Micro-Erlebnisse, die besonders wichtig sind, die mich immer wieder aufleben lassen. Das ist z. B. immer, wenn zwei Leute am Computer sitzen und jemand zeigt auf etwas auf dem Bildschirm. Da passiert Wissenstransfer und gleichzeitig ist es nicht ein abstraktes Geschwafel, sondern reale Computerprogramme. Da wird drauf gezeigt und gesagt: »Das musst du anders machen.« Es ist dieses Handwerkliche im Code, diese Arbeit, die aber auch faktisch und wirklich wird. Das ist das, was mich beim Coding fasziniert und auch bei all dem, was damit möglich ist: anderen Menschen zu helfen, Lösungen zu bauen, die man auch in anderen Ländern, die man in anderen Gruppen anwenden kann. Das, was dahinter steckt, auch in der Philosophie von Code, ist das, was man täglich hier erleben kann. Und das ist echt cool.

wissensstadt.hn: Trotz den erschwerten Corona-Bedingungen: Haben eure Studis Heilbronn schon etwas kennenlernen und erleben können? Wie ist das Feedback?

Thomas Bornheim: Ja, ich habe lustiges Feedback bekommen. Es wurde moniert, dass die Death-Metal-Community hier in Heilbronn ja ziemlich klein sei. (lacht) Wir müssen uns einfach darüber im Klaren sein, dass wir auch Leute bei uns haben, die solche Nischeninteressen haben, die für Subkulturen sehr offen sind. Ich glaube, das sind auch die Leute, die in größeren Städten dann eben genau solche Szenen oder Communitys ausmachen. Wir müssen dem hier in Heilbronn einfach begegnen, indem wir diese Subkulturen ein bisschen durchlässiger machen und sie zusammenbringen. Damit sich gleichgesinnte Menschen, die sich ausdrücken möchten, die Chancen geben, sich in Heilbronn auch wohlzufühlen. Es gibt hier genügend Angebote und ich bin mir ganz sicher, dass wir hier weitere tolle Angebote schaffen können für Menschen, die auch das andere suchen, die Studentenleben wollen und die auch ein bisschen was erleben wollen in dieser Zeit.

wissensstadt.hn: Im neusten Städteranking der WirtschaftsWoche schneidet Heilbronn erneut besser ab als im Vorjahr, überregional wurde mehrfach über Heilbronn und was hier am Entstehen ist (Bildungscampus, KI-Park, etc. pp.) berichtet. Läuft hier oder? 

Thomas Bornheim: Ich glaube, wir haben die Voraussetzungen hier in Heilbronn, um auch auf Platz eins dieses Rennens zu kommen. Wir müssen uns im Klaren darüber sein, was wir erreichen möchten und wir müssen daraus Maßnahmen ableiten, um wirklich zu sehen: So schaffen wir es. Wichtig ist es für Menschen, die sich entwickeln möchten, – darum geht es doch vielen –, dass sie einen Raum bekommen, wo sie viel selber mitmachen können, wo sie mitgestalten können, wo auch Mittel zur Verfügung stehen, um neue Ideen auszuprobieren, wo gleichzeitig auch eine Wertschätzung da ist für diese Experimente. Und das alles erlebe ich in Heilbronn. Es gibt hier aber auch harte soziale Realitäten. Wie kann man da Schwellen reduzieren? Wie können wir die Sachen einfacher machen, von uns aus? Weil es wichtig ist, aber das erfordert Koordination.

wissensstadt.hn: In der Heilbronner Stimme konnte man lesen, dass Du sich durchaus auch um die Stadtentwicklung bemühen willst. Warum eigentlich?

Thomas Bornheim: Als jede Art von Organisation musst du dich um die Community kümmern, in der du bist, musst wertschätzen, dass du da nicht alleine bist, sondern da sind Menschen, die dir helfen, die alle in den Schulen der Umgebung ihr Handwerkszeug mitbekommen haben, ihre Ausbildung, die alle in den Krankenhäusern der Umgebung geboren worden sind. Dieser Respekt für die Community verpflichtet auch. Nach dem Motto: Ich habe hier die Chance, mit der Community zu arbeiten. Wir haben hier die Chance, der Community zuzuhören. Es ist nicht unsere Aufgabe, hier gesellschaftliche und soziale Funktionen komplett zu übernehmen, aber ich glaube, dass jede Organisation Organe ausbilden sollte, die sich fragen: Was kann ich für die Community tun?

wissensstadt.hn: Wenn Du freie Wahl hättest und freie Hand: Was wäre das Stadtentwicklungsprojekt deiner Wahl?

Thomas Bornheim: Auf der einen Seite würde ich mich freuen, wenn wir die Achse 42-Bildungscampus-Maschinenfabrik beleben, das Thema Fahrradwege wäre mir wichtig und ich finde das Wollhaus spannend, da muss was passieren.

wissensstadt.hn: Aber nicht abreißen …

Thomas Bornheim: Vielleicht auch abreißen und neu denken. Es ist ein trauriges Bild, das so ein riesengroßes Raumschiff verfällt, es ist eine Art langsames Sterben. Das finde ich wirklich anstrengend anzuschauen. Das drückt aus, dass es Menschen gibt, denen das irgendwie gehört, die aber gar nicht mehr so richtig zusammenfinden. Als soziale Metapher ist es wichtig, dass dieses Ding etwas mehr Liebe erfährt.