Technologisch versierte Führungskräfte entwickeln – das ist das Ziel des neuen dualen Masterstudiengangs Executive Engineering. Prof. Dr.-Ing. Thilo Gamber erläutert, was den Studiengang auszeichnet und welche Erfahrungen er seinen Masterstudierenden mitgeben will. Gamber leitet den Dualen Master Executive Engineering gemeinsam mit Prof. Dr.-Ing. Florian Schleidgen.

Herr Prof. Gamber, welche Schwerpunkte bringen Sie persönlich in den neuen Studiengang ein?

Gamber: „Ich habe Wirtschaftsinformatik studiert, dann meine IT-Kenntnisse ins Industrial-Engineering eingebracht und in meiner bisherigen Laufbahn vom Maschinenbau bis zu den Wirtschaftswissenschaften verschiedene Themenfelder miteinander verbunden. Verschiedene Denkmuster und wissenschaftliche Hintergründe sind in Unternehmen sehr befruchtend, um nicht zu viel in den ‚eigenen Scheuklappen‘ zu leben. Das möchte ich vermitteln. Zudem war ich in Bereich Automotive viel international unterwegs. Daher sind für mich auch internationale Themen im Studium wesentlich.“

Welche Erfahrungen möchten Sie darüber hinaus gerne an Ihre Studierenden weitergeben?

Gamber: „Ganz zentral ist für mich der so einfach erscheinende Rat: ‚Reden Sie miteinander!‘ Nur so bauen Sie Barrieredenken ab und finden gemeinsam Lösungen. Das gilt privat aber auch im Beruf: Wir stecken mitten in vielen Veränderungen. Früher hat ein Entwickler etwas entworfen und es dann weitergereicht in die Produktion. Solche geteilten Zuständigkeiten schaffen Probleme. Inzwischen geht es darum, gemeinsam zu arbeiten und Kundenwünsche auf den Punkt umzusetzen. Ich wünsche mir noch mehr Gesprächskultur und Kommunikation in Unternehmen, damit es starke Entwicklungen direkt aus der Praxis heraus geben kann.“

Ihr Masterstudiengang Executive Engineering hat eine besondere Ausrichtung. Können Sie die kurz erläutern?

Gamber: Der Fokus des Studiengangs geht klar Richtung Führungsverantwortung. Er spricht die gesamte Sparte ‚Technik‘ an. Daher ist der breite Ansatz wichtig, den wir haben: Über alle Branchen, Führungsansätze und Ebenen hinweg, geht es darum, ‚Lessons Learned‘ auszutauschen und gemeinsam mit anderen über den eigenen Tellerrand zu schauen. So sind beispielsweise sowohl die Pharma- als auch die Automobilbrache stark technisch fokussiert, selten schaut man aber, was sie voneinander lernen können.“

Wem würden Sie den Studiengang empfehlen?

Gamber: „Ich würde den Studiengang allen empfehlen, die schon Berufserfahrung gesammelt haben und die entweder schon eine Führungsaufgabe übernommen haben oder kurz davor stehen, eine anspruchsvolle Leitungsposition zu übernehmen. Dabei ist es nicht wichtig, ob es um Personal- oder Projektführung geht. Das Studium unterstützt dabei, aus einem technische Beruf heraus in die Führungsrolle hinein zu wachsen. Es geht darum, diese neue Ebene der Führung aber auch neue technische Möglichkeiten zu erfahren. Mit Blick in die Zukunft wird die Entscheidungsfähigkeit bei technischen Entwicklungen und der Umgang mit Innovationen trainiert.“

Haben Sie ein Beispiel?

Gamber: „Stellen Sie sich die heutige Autoproduktion vor. Da scheint für uns glasklar zu sein, wie es läuft. Aber wie sieht in 20 Jahren die Erstellung von Ersatzteilen aus? Vielleicht wird die Stoßstange dann per 3D-Drucker vor Ihren Augen ausgedruckt. Solche Entwicklungen sollten wir heute schon mitdenken.“

Auf welches Modul im Studiengang freuen Sie sich besonders?

Gamber: „Mein Liebling ist das internationale Modul des Studiengangs, weil es alle Themen zusammenfasst und direkt anwendet: Die Studierenden werden in einem (internationalen) Unternehmen beratend aktiv. Ein interdisziplinäres Team aus Masterstudierenden bekommt ein Problem in einer spezifischen Abteilung präsentiert und soll es lösen. Hier werden alle Teilnehmenden branchen- und disziplinübergreifend zusammenarbeiten und dabei über den eigenen den Tellerrand schauen – in ihrem Aufgabengebiet, in ihrer Branche und ggf. auch international. Darauf freue ich mich sehr!“

Wir bedanken uns für das Interview!