KI-Park Heilbronn: Ökosysteme wachsen nicht von alleine

Beispiele aus Ehningen und Tübingen zeigen, wie langfristig bei den Zukunftsthemen gedacht werden muss. Für den neuen Geschäftsführer des Innovationsparks IPAI, Moritz Gräter, geht es jetzt trotzdem Schlag auf Schlag.

Von Christian Gleichauf, Foto: Fraunhofer IAO

Moritz Gräter darf den Acker des Gewerbegebiets Steinäcker im Norden Heilbronns in einen europaweit einzigartigen Innovationspark für Künstliche Intelligenz verwandeln. Vor mehr als 50 Teilnehmern stellte er sich und seine ersten Gedanken dazu vor. Ein zentraler Punkt für ihn: Die Konkurrenz sitzt nicht in Tübingen, Stuttgart oder Ulm.

Ein erfahrener Innovationsnetzwerker

Gräter, 39 Jahre alt, bringt Erfahrung mit. “Ich bin mit Leib und Seele Innovationsnetzwerker”, sagt er. Sieben Jahre war er Geschäftsführer von Code N, einer Einrichtung, die Start-ups und Innovationen unterstützte. Jetzt hat er Verantwortung für den Innovation Park Artificial Intelligence in Heilbronn, den IPAI.

Die ersten Räume im Zukunftspark Wohlgelegen sind bezogen. Als nächstes werden die 6500 Quadratmeter im Bau nebenan mit Leben gefüllt. “Das ist die Rampe für den nächsten großen Schritt”, sagt Gräter. Den Schritt hinüber auf die andere Neckarseite, wo der Grundstein für den Innovationspark bereits gelegt wurde.

Doch über den Erfolg entscheidet nicht der Beton, der verbaut wird. Bernd Bienzeisler, Leiter des Fraunhofer IAO auf dem Bildungscampus, hat den Abend deshalb mit “Innovation im Ökosystem” überschrieben.

Strategische Planung von Ökosystemen ist notwendig

Fraunhofer-Expertin Marie Heidingsfelder erklärt dazu, dass das Wissen um die Wirkung solcher “Ökosysteme” noch gar nicht so alt ist. Politik, Wirtschaft, Gesellschaft und Wissenschaft würden sich hier gegenseitig befruchten. “Weil man das nicht dem Zufall überlassen will, werden sie inzwischen strategisch geplant”, so Heidingsfelder.

Dass der Aufbau trotzdem Zeit braucht, zeigen die Beispiele Quantum Village in Ehningen und Cyber Valley Tübingen. Christian Tutschku, Leiter des Teams Quantencomputing am Fraunhofer IAO in Stuttgart, stellt beispielsweise erste Visionen für die Quantum Gardens auf dem IBM-Areal in Ehningen vor.

Nach 2030 sollen dort Wissenschaftler leben und an der Quantentechnik arbeiten. “Wir brauchen interdisziplinäre Konsortien”, sagt Tutschku. Und dazu die enge Verbindung mit Wirtschaft und Politik sowie anderen Innovationszentren.

Cyber Valley soll das führende KI-Zentrum Europas werden

Ein solches Zentrum ist das Cyber Valley, das seit 2016 mit den Universitäten Tübingen und Stuttgart an der Künstlichen Intelligenz arbeitet und sich als größte Forschungskooperation für KI in Europa positioniert.

Forschungskoordinator Florian Mayer betont, wie produktiv das Cyber Valley wissenschaftlich ist, welchen Stellenwert es hier schon hat. Er räumt aber auch ein, dass eine systematische Start-up-Förderung erst jetzt beginne und die ersten eigenen Gebäude frühestens in zwei Jahren bezugsfertig sind.

Der IPAI, der seinen Fokus genau auf der Start-up-Förderung und der Vernetzung mit der Wirtschaft hat, könnte das Cyber Valley also bald schon ergänzen. Von Konkurrenz zu anderen Standorten im Land will IPAI-Geschäftsführer Gräter aber nichts wissen. “Wir brauchen Vernetzung im ganzen Land. Der IPAI ist ein baden-württembergisches Projekt.” Aber er weiß auch: “Wir brauchen die kritische Masse, was Qualität und Quantität angeht”,

Investor Reineck wünscht sich konsequenten Fokus auf die Wirtschaft

Ob in Konkurrenz oder nicht, mit den Mitteln, die unter anderem die Dieter-Schwarz-Stiftung zur Verfügung stellt, sollte der IPAI nun Geschwindigkeit aufnehmen, hofft auch Stefan Reineck, Vorstandschef des Investorenvereins Venture Forum Neckar.

“Heilbronn muss aufholen”, sagt er. Zudem dürfe der Fokus des Ökosystems seiner Meinung nach nicht zu sehr auf der Wissenschaft liegen. “Wenn Unternehmen angesprochen werden sollen, müssen sie den Mehrwert erkennen.”

Quantenmechanik und KI könne man schließlich nicht mit Kleingeld nach vorn bringen. Irgendwann brauche es für vielversprechende Ansätze wahrscheinlich mehrere Investoren von der Größe eines Zukunftsfonds Heilbronn. Sein Vorschlag: “So wie es in manchen Bereichen einen wissenschaftlichen Beirat gibt, so bräuchte der IPAI vielleicht einen Wirtschaftsbeirat.”

Bis das alles so weit ist, will Bernd Bienzeisler seinen Beitrag leisten, den KI-Cluster im Raum Heilbronn nach vorn zu bringen. Zweimal im Jahr veranstaltet er auch künftig den KI-Dialog, als Partner des IPAI.

 

Mit freundlicher Genehmigung der Stimme Mediengruppe & der Heilronner Stimme