Heilbronn am 23. September: Eine Stadt im Zeichen der Nachhaltigkeit

Rund 200 Teilnehmer zogen auch in Heilbronn beim 11. Weltklimastreik von “Fridays For Future” durch die Innenstadt. Die Demonstration endete auf dem Kiliansplatz, wo sich mehr als 20 Initativen aus dem Bereich Umweltschutz zum Nachhaltigkeits- und Energiewendetag versammelt hatten.

Von Milva-Katharina Klöppel, Foto: Ralf Seidel

Was 2018 als Streikaktion einer Schülerin in Schweden begann, hat sich längst zu einer weltweiten und vor allem Generationen übergreifenden Protestaktion entwickelt. Das wurde auch beim elften globalen Klimastreik in Heilbronn deutlich, der erstmals mit dem Nachhaltigkeits- und Energiewendetag in Baden-Württemberg zusammenfiel. Sechs Stunden lang stand die Stadt Heilbronn so ganz im Zeichen von Nachhaltigkeit und Klimaschutz – unterstützt von Jung und Alt.

FFF-Demo durch Innenstadt

Um 12.30 Uhr setzte sich der Tross von “Fridays For Future” (FFF) vom Bollwerksturm in Richtung Kiliansplatz über die Allee in Bewegung. Die üblichen Rufe wie “Wir sind hier, wir sind laut, weil ihr uns die Zukunft klaut” waren zu hören. Aber auch neue wie “Es gibt kein Recht auf Kohlebagger fahren”. Humorvoll versuchten die Jugendlichen so, auf die Probleme aufmerksam zu machen, die sie tagtäglich beschäftigen.

“Ich kann meine Gefühle gar nicht beschreiben”, sagte die 15 Jahre alte Jule Erath in einer Rede. “Ich empfinde Wut, Trauer und Enttäuschung.” Seit einem Jahr ist die Leingartener Schülerin aktiv bei der FFF-Protestbewegung dabei. Als Einzige ihrer Schule. “Ich kann nicht verstehen, warum der Aufschrei nicht größer ist.”

Lob für Engagement von OB Mergel

Den FFF-Aktivisten ausdrücklich für ihr Engagement dankte der Heilbronner Oberbürgermeister Harry Mergel in seiner Eröffnungsrede zum zehnten Nachhaltigkeits- und Energiewendetag auf dem Kiliansplatz. Mehr als 20 Akteure aus den Bereichen Umweltschutz, fairer Handel sowie Partizipation standen bis 18 Uhr Passanten und Besuchern Rede und Antwort.

Erstmals waren auch drei Heilbronner Schulen dabei: Am Stand der Gustav-von-Schmoller-Schule zeigte Sandra Wolff beispielsweise die fairproduzierten T-Shirts und Sweatshirts der Juniorenfirma “F41R Commodity” – was so viel wie “faire Ware” heißt.

Nachhaltige Studiengänge noch zu wenig nachgefragt

Nur wenige Meter weiter warb die Hochschule Heilbronn (HHN) für ihre vier Studiengänge im Bereich Nachhaltigkeit – Umwelt- und Prozessingenieurwesen, Nachhaltige Beschaffungswirtschaft, Energiemanagement und ein Master in nachhaltiger Tourismusentwicklung sind möglich. “In unseren technischen Studiengängen sind wir auf der Suche nach Nachwuchs”, sagt Monika Zellner. “Wer glaubt, mit Umweltschutz ließe sich kein Geld verdienen, täuscht sich”, sagt die Chemielaborantin aus dem Bereich Umwelt- und Prozessingenieurwesen.

Immer häufiger würden Firmen nach Experten im Bereich CO2-Bilanzierung und Energiemanagement anfragen. Zusätzlich unterstützt das HHN-Stipendium “Grüne Zukunft” leistungsbereite und nachhaltigkeitsbegeisterte Studierende mit einer monatlichen Fördersumme von 300 Euro. “Wir brauchen genau die jungen Leute, die bei FFF demonstrieren”, sagt Monika Zellner.

Geldnot sorgt für Andrang beim “Foodsharing”

Besonders groß ist der Andrang am Stand von “Foodsharing Heilbronn”. Nicole Wirths und ihre Mitstreiterinnen demonstrieren mit Bergen an Lebensmitteln, was ohne ihre Initiative täglich in den Müllcontainern von Supermärkten, Bäckereien und mehr landen würde. Eigentlich ginge es darum, die Wertschätzung von Lebensmitteln zu steigern, doch: “Wir merken, dass viele Leute an unseren Stand kommen, denen es an Geld fehlt und sie sich deshalb über kostenloses Essen freuen.”

Die steigenden Kosten im Alltag waren auch Thema einer Aktion, die in die sogenannte Sommerzone in der Turmstraße ausgelagert war. “Gerade ältere Menschen fragen nach Tipps zum Sparen von Energiekosten”, sagt Gayane Grötzinger von der Energieagentur Heilbronn.

Mitmachaktionen bei der Experimenta

Neben dem Kiliansplatz und der Turmstraße war auch der Experimenta-Platz noch Ort des Geschehens beim Nachhaltigkeitstag. Gudrun Seidel vom Schülerlabor der Experimenta demonstrierte eindrücklich, wie aus Altpapier und anderen Fasern, wie zum Beispiel Jeans, Papier geschöpft werden kann. Caro Pyzalski vom “Maker Space” ließ mit Hilfe einer großen mechanischen Strickliesel weitere Meter eines Endlos-Schals stricken.

 

Mit freundlicher Genehmigung der Stimme Mediengruppe & der Heilronner Stimme