Frauen, die Heilbronn bewegen: Isabell Steidel – Kämpferin für sozial-ökologische Transformation und WoMent-Mentee

Lernen Sie Isabell Steidel kennen, die engagierte Kämpferin für sozial-ökologische Transformation in Heilbronn.

Von Robert Mucha, Foto: WoMent

Lernen Sie Isabell Steidel kennen, die engagierte Kämpferin für sozial-ökologische Transformation in Heilbronn. Als junge Gemeinderätin, stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Grünen und G7- und G20-Jugenddelegierte setzt sie sich leidenschaftlich für eine nachhaltige Zukunft ein. Mit ihrem klaren Blick auf gesellschaftliche Herausforderungen und ihrer unerschütterlichen Entschlossenheit prägt sie nicht nur die Politik, sondern auch das Bewusstsein in Heilbronn für dringend benötigte Veränderungen.

Steckbrief:

Name: Isabell Steidel

Alter: 26

Akademischer Grad: Masterstudentin (M.Sc.)

Aktuelle berufliche Position: Studentin

Branche oder Fachbereich: Betriebswirtschaft / Unternehmensführung

Arbeitserfahrung (insgesamt und in der aktuellen Position): Seit vier Jahren Mitglied in verschiedenen Aufsichtsräten

Veröffentlichungen und Forschungsschwerpunkte: Kreislaufwirtschaftliche Prozesse

Auszeichnungen und Preise: Deutschlandstipendium / Rotary-Stipendium

Familiärer Hintergrund (verheiratet, Kinder): ledig

Freizeitinteressen: Joggen, Klavier spielen

Hobbys und Leidenschaften: Eis essen, Kochen

Lieblingsbuch: Das Geisterhaus, Isabel Allende

Buchempfehlung: Die Welt neu denken, Maja Göpel

Lieblingsfilm oder -serie: Vincent will Meer

Musikalischer Geschmack: alles dabei

Lieblingsort oder -stadt: Montreal & Gaffenberg

Traumreiseziel: Kolumbien

Lieblingskünstler oder -designer: Banksy

Lieblingsgericht oder -restaurant: Pasta mit Steinpilzen

Inspirierende Personen oder Vorbilder: Die mutigen Frauen im Iran.

Ein Zitat fürs Leben: Das einzig Beständige ist der Wandel.

Meine Vision für die Wissensstadt Heilbronn: Ein entscheidender Faktor zu sein, wie evidenzbasierte Politik in der Stadt Heilbronn gelingen kann – also zu untersuchen, welche Auswirkungen bestimmte politische Maßnahmen auf die Stadtgesellschaft haben und wie diese verbessert werden können. Dabei sehe ich in der Wissensstadt eine Vereinigung von Vordenker*innen, denen Heilbronn am Herzen liegt. 

 

Fragebogen:

 

Bitte beschreibe dich kurz in eigenen Worten. 

Ich bin immer auf der Suche nach Projekten, die einen Unterschied machen und zur Weiterentwicklung unserer Gesellschaft beitragen.

Was ist dein akademischer/beruflicher Hintergrund? 

Ich bin das jüngste Gemeinderatsmitglied Heilbronns, stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Gemeinderatsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen Heilbronn, Mitglied in diversen Aufsichtsräten Heilbronner Unternehmen, G7- und G20-Jugenddelegierte für Deutschland 2023 und studiere Unternehmensführung an der Hochschule Heilbronn.

Was hat dich motiviert, dich für eine Karriere in der Wissenschaft/Forschung/Wirtschaft/Bildung zu entscheiden? 

Unser Wirtschaftssystem muss sozial-ökologisch transformiert werden, um für unsere und die nachfolgenden Generationen eine lebenswerte Zukunft zu gestalten. In diesem Zusammenhang ist für mich der Bereich der Kreislaufwirtschaft ein entscheidendes Element.

Wie hast du die Gleichstellung von Frauen in deinem Fachbereich erlebt? 

Der Verein „Frauen in die Aufsichtsräte e. V.“ erstellt jedes Jahr einen Index, der auch aktuell wieder zeigt, dass noch viel Luft nach oben in den deutschen Wirtschaftsunternehmen beim Thema Gleichstellung ist. Auch im Gemeinderat der Stadt Heilbronn sind Frauen weiterhin unterrepräsentiert – nur 15 der 40 Mitglieder sind aktuell weiblich.  

Wurden dir aufgrund deines Geschlechts Hindernisse oder Herausforderungen in deiner Karriere gestellt? 

Es gab durchaus Situationen, in denen ich aufgrund meines Geschlechts weniger ernst genommen wurde. Am Wahlkampfstand zu hören „Okay, ich stimme für dich, wenn ich deine Handynummer bekomme, Deal?“ ist bisher noch keinem Mann passiert, mit dem ich darüber geredet habe.

Was ist dein größter Karriereerfolg bisher? 

Dass der Gemeinderat Heilbronn der Klimaneutralität Heilbronns bis 2035 zugestimmt hat (Ziel davor: 2050). 

Wie gehst du mit den gängigen Karriereklischees zwischen Männern und Frauen um? 

Ich versuche darauf aufmerksam zu machen, indem ich es direkt in der Situation selbst anspreche. Nicht auf eine belehrende Art und Weise, sondern eher humorvoll mit einem „Interessant, hättest du das jetzt auch eine*n Mann/Frau gefragt?“

Welche Rolle spielt die Work-Life-Balance in deiner Karriere? 

Wenn ich für etwas brenne, fühlt es sich meistens nicht wie Arbeit an. Von daher bin ich in dieser Hinsicht kein gutes Vorbild. Aber ich finde Ruhepausen sehr wichtig und notwendig.

Welche Tipps hast du für junge Frauen, die eine Karriere in der Wissenschaft/Forschung/Wirtschaft/Bildung anstreben? 

Bildet Netzwerke, sucht euch gemeinsame Safe Spaces und tauscht euch gemeinsam aus, empowert euch. Gemeinsam sind wir stärker.

Welche Hürden musstest du überwinden, um deine aktuelle Position zu erreichen? 

Ich musste es immer wieder erkämpfen, dass ältere, vorwiegend männliche Kollegen mir zuhören und mich ernst nehmen. Es gab Kommentare wie „Ach, süß…“, um meine Vorhaben abzuschmettern, anstatt sich inhaltlich mit mir auf eine Debatte einzulassen. 

Was würdest du ändern, wenn du die Chance hättest, die Geschichte der Frauen in der Wissenschaft/Forschung/Wirtschaft/Bildung neu zu schreiben? 

Ich würde die ganzen Frauen, die früher in der Wissenschaft nicht anerkannt wurden (stattdessen meistens ihre Männer), gebührend würdigen. Zum Beispiel würde ich mehr Denkmäler von Frauen im öffentlichen Raum erstellen. Wie wäre es, wenn wir alle männlichen Denkmäler mit einem weiblichen Pendant ausstatten? 😉

Was inspiriert dich, in deinem Fachbereich zu bleiben und weiterzumachen? 

Die Notwendigkeit, dass wir so schnell wie möglich klimaneutral werden müssen – in Heilbronn im Kleinen und in der Welt im Großen.

Wie schätzt du die Zukunft für Frauen in der Wissenschaft/Forschung/Wirtschaft/Bildung ein? 

Immer besser, leider aber in viel zu langsamen Schritten. Care-Arbeit, die hauptsächlich von Frauen übernommen wird, muss endlich gesellschaftlich auch als gleichwertige Arbeit anerkannt werden.

Welche Projekte hast du in der Pipeline und welchen Impact sollen sie haben? 

Ich bereite gerade einen Antrag gegen Lebensmittelverschwendung in der Stadt Heilbronn vor. Außerdem beschäftige ich mich aktuell mit den Themen ökologisches Bauen, Strukturen für Empowerment in Heilbronn und mit kreislaufwirtschaftlichen Prozessen in der Region Heilbronn-Franken. 

Wie hast du dich weitergebildet und dich auf neue Herausforderungen vorbereitet? 

Durch WoMent, durch Online-Seminare / YouTube-Videos, Ted-Talks, Zeitungsartikel, Bücher, … Aber vor allem durch klare Analysen mit meiner Mentorin, welchen Zweck die neuen Herausforderungen haben und warum ich sie mache. 

Hast du in deiner Karriere eine Mentorin oder jemanden, der dich unterstützt hat? 

Durch WoMent habe ich eine fantastische Mentorin an meine Seite bekommen, die mich sehr unterstützt. 

Gibt es ein Ereignis in deinem Leben, das deine Karriere oder deine Sichtweise auf deine Arbeit maßgeblich verändert hat? 

Das Patenschaftsprojekt „Welcome“, welches junge Geflüchtete und Einheimische zusammenbringt. Das haben wir im Jugendgemeinderat angestoßen und über die Diakonie Heilbronn umgesetzt. Es hat mir die Augen für viele Privilegien geöffnet, mich dazu gebracht meine eigene Lebensrealität aktiv zu hinterfragen und mich interkulturell sensibilisiert.

Was denkst du, ist das größte Missverständnis über Frauen in der Wissenschaft/Forschung/Wirtschaft/Bildung? 

Dass Frauen in Führungspositionen oft unterstellt wird, dass sie nur durch ihre „männlichen Eigenschaften“ so weit gekommen sind. 

Wie fühlst du dich, wenn du als “weiblicher Wissenschaftler/Forscher/Wirtschaftsführer/Pädagoge” bezeichnet wirst, anstatt einfach nur als “Wissenschaftler/Forscher/Wirtschaftsführer/Pädagoge”? 

Ich werde gerne in der weiblichen Form angesprochen, da es für mich eine Sensibilisierung darstellt.

Hast du irgendwelche “schlechten” Gewohnheiten, die sich als überraschend nützlich in deiner Karriere erwiesen haben? 

Manchmal muss ich leider Menschen, die ausschweifende Monologe halten, ins Wort fallen und stelle oft fest, dass das gar nicht so schlimm war. 

Was möchtest du jungen Frauen sagen, die sich Sorgen machen, dass eine Karriere in der Wissenschaft/Forschung/Wirtschaft/Bildung ihr persönliches Leben beeinträchtigen könnte? 

Sie sollen nicht ängstlich, sondern mutig sein und bei sich selbst bleiben. 

Was ist eine Fähigkeit oder Eigenschaft, die du erst spät in deiner Karriere erkannt hast und die du für wichtig hältst? 

Ich bin noch relativ am Anfang, aber ich versuche, so oft es geht, aus meiner Komfortzone herauszukommen, denn dann lerne ich erfahrungsgemäß am meisten.